Der Schriftzug hängt am Unternehmenssitz des Systemgastronomie-Betreibers Vapiano. | Bildquelle: dpa

Restaurantkette Vapiano Vom Shootingstar zum Sorgenkind

Stand: 21.08.2019 17:05 Uhr

Die Pizza-Kette Vapiano steckt in einer Krise: Die aggressive Expansion vor allem im Ausland sowie hohe Betriebskosten sorgen die Anleger. Sie fordern rasche Änderungen - unter anderem am Menü.

Von Nico Rau, WDR

Die Stimmung bei der angeschlagenen Restaurantkette Vapiano ist angespannt. Der Vorstand hat zur Hauptversammlung in ein Kölner Nobelhotel eingeladen. Das Interesse der Aktionäre ist groß. Viele hier haben eine klare Meinung, was bei Vapiano schief gelaufen ist: Zu schnelles Wachstum, vor allem im Ausland. Das Unternehmen hätte sich lieber um die Probleme bestehender Restaurants kümmern sollen, statt ständig neue zu eröffnen. Es fehle eine klare Strategie, um das Unternehmen zu sanieren.

Auch Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) kann noch keine eindeutige Richtung erkennen. Aber:

"Das sieht mir mehr nach Gesundschrumpfen aus. Das muss nicht die schlechteste Variante sein, dass man sich erstmal auf die Läden konzentriert, die auch laufen. Und weitere Expansionen zunächst Mal zurückstellt. Ob Zeit und Geld ausreichen, das wird die spannende Frage sein."

Schnelles Wachstum und hohe Schulden

Nach dem Börsenstart 2017 setzte das Unternehmen auf schnelles Wachstum und expandierte weiter. Zu Vapiano gehören mittlerweile rund 230 Restaurants in 33 Ländern. Dass der Kurs - insbesondere die starke Expansion ins Ausland - falsch war, hat Noch-Vorstandschef Cornelius Everke, der am Monatsende zurücktritt, kürzlich eingeräumt.

Im letzten Jahr eröffnete Vapiano zwar über 30 neue Restaurants und machte rund 370 Millionen Euro Umsatz. Unter dem Strich blieb aber ein Verlust von 101 Millionen Euro. Das Unternehmen führte zu hohe Abschreibungen und gestiegene Betriebskosten an. Deshalb hatte Vapiano bereits im Frühjahr mühsam mit Banken und Großaktionären über eine Finanzspritze in Höhe von 30 Millionen Euro verhandelt. Das Geld wird dringend benötigt, denn der Schuldenberg ist erdrückend.

Vapiano-Chef Everke sitzt in einer seiner Filialen in Köln. | Bildquelle: dpa
galerie

Vapiano-Chef Everke will auch das Menü seiner Restaurants umstellen.

Börsenwert stark gefallen

Der Börsenkurs ist ein klarer Indikator für die Notlage, sagt Hechtfischer: "Der Kurs ist in unterirdische Regionen zurückgefallen. Man liegt etwas über vier Euro. Das ist in Vapiano-Mahlzeiten umgerechnet ein kleiner Salat."

Zum Börsenstart vor gut zwei Jahren kostete die Aktie noch 23 Euro. Jetzt ist sie im Wert um mehr als 80 Prozent gefallen.

Konzept nicht mehr zeitgemäß?

Die Verantwortlichen bei Vapiano wollen nicht nur langsamer wachsen, sondern auch an dem Konzept feilen. Denn Kunden beschweren sich schon lange über ausufernde Wartezeiten und überfordertes Personal. Wer auf seine Pizza oder Pasta länger als 30 Minuten wartet, geht beim nächsten Mal zu einem anderen Anbieter.

So soll beispielsweise die Speisekarte verkleinert werden. Zeitweise standen darauf 49 verschiedene Gerichte plus zehn saisonale Angebote. Der Kunde konnte aus elf verschiedenen Pastasorten wählen. Einen asiatischen Salat brauche man nicht mehr, stellte Noch-Vorstandschef Everke fest.

Hechtfischer sieht das kritischer. Man müsse die Frage stellen, ob der Ansatz von Vapiano überhaupt noch zeitgemäß sei. "Weil der Kunde doch anspruchsvoll ist und nicht willig ist, auf Kantinenstatus zurückzufallen. Das heißt, sich irgendwo anzustellen und mit einem Tablett durch ein Restaurant zu rennen und das zu Preisen, die nicht vergleichbar sind mit einer Kantine."

Boombranche Sytemgastronomie

Die Systemgastronomie boomt. Restaurantketten haben das Schmuddelimage vergangener Tage erfolgreich abgestreift. Sie wachsen seit fast zehn Jahren um durchschnittlich vier Prozent jährlich - wesentlich schneller als die Konkurrenz aus der klassischen Gastronomie. Dabei erzielen die Ketten mittlerweile ein Viertel aller Umsätze der Gastro-Branche.

Doch Essenstrends und Kundenvorlieben wechseln schnell. Die Renditen sind knapp, die Personalkosten hoch. Oft erlaubt die geringe Kapitalisierung der Unternehmen keine größeren Fehler. Nicht jedes Unternehmen reagiert rechtzeitig.

Weitere Sorgenkinder

Neben Vapiano kriselt es gerade auch bei Nordsee. Im letzten Jahr musste die Schnellrestaurantkette fast fünf Prozent Umsatz einbüßen. Auch die Steakhaus-Kette Maredo hat große Schwierigkeiten und steckt in der Verlustzone. Ebenfalls kritisch beäugt wird die Burgerkette Hans im Glück, die in rasantem Tempo neue Restaurants eröffnet. Letztes Jahr schrumpften auch hier die Erlöse.

Auf den Markt der Systemgastronomie drängen immer neue Mitbewerber, der Trend ist ungebrochen. Wer am Ende überbleibt und ob die Kölner Restaurantkette Vapiano dazugehört, das ist die spannende Frage.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 21. August 2019 um 11:41 Uhr.

Darstellung: