Ökologischer Fußabdruck Nachhaltigeres Leben dank Apps

Stand: 03.04.2021 06:01 Uhr

Energie sparen, nachhaltig shoppen, CO2 reduzieren - wem das wichtig ist, kann sich per App Ratgeber aufs Smartphone laden. Der Clou: tägliche Tipps, die spielerisch motivieren.

Von Philipp Wundersee, WDR

Wie viel macht es aus, wenn ich eine Tasse Kaffee pro Tag weglasse? Was passiert, wenn ich einen veganen Tag in der Woche einlege? Welche Auswirkungen auf das Klima hat es, wenn ich mein Auto verkaufe? Fragen, auf die die App SUSLA den Nutzerinnen und Nutzern Antworten liefert.

Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie hat mit Partnern aus sechs anderen Ländern die App entwickelt, die den eigenen CO2-Verbrauch berechnet und zeigt, wie man seinen ökologischen Fußabdruck verringert. "Der Konsum beeinflusst auch immer den Zustand der Umwelt. Privathaushalte tragen dabei in hohem Maße zu globalen Umweltauswirkungen bei und können daher auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten", sagt Katrin Bienge vom Wuppertal Institut.

Umstieg auf nachhaltigen Lebensstil beschleunigen

Das Ziel sei, den Umstieg auf nachhaltige Lebensstile per App zu beschleunigen. "Wir haben gelernt, dass die größten Umweltwirkungen in den Bereichen Wohnen und Energie, Ernährung und Mobilität liegen. Und dass die Menschen zuerst im Bereich Ernährung ihre Konsummuster verändern wollen", sagt Bienge.

Das Forscherteam testet die App schon länger und hat aus den bislang fast 800 Datensätzen deutscher Haushalte herausgefunden, dass man durch recht einfache Verhaltensänderungen bis zu 30 Prozent des Klimafußabdrucks reduzieren könne. Jeder Nutzer kann einen individuellen Plan erstellen, wie lange und ab wann er welche Tipps für einen umweltfreundlichen Alltag ausprobieren will. SUSLA berechnet, wie viele Emissionen und Ressourcen damit eingespart werden und erinnert per E-Mail daran, die Vorsätze einzuhalten.

Screenshot aus der App für nachhaltiges Leben | Bildquelle: Wuppertal Institut
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Die App soll den Nutzern helfen Ressourcen durch Verhaltensänderungen zu schonen.

Spielerisches Prinzip: Belohnung und Anerkennung

Nicht nur das Wuppertal Institut hat sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Auch in Lüneburg hat ein Team von Wissenschaftlern an der Leuphana Universität eine App entwickelt. Diese soll Nutzer bei nachhaltigem Konsum unterstützen. Bei der Green Fashion Challenge App geht es um Umwelt- und Sozialaspekte. Man bestimmt zum Beispiel den Anteil von Fair-Trade-Mode, die man kaufen möchte, oder die monatliche Anzahl gekaufter Textilien. Am Ende des Monats erhält jeder ein Feedback in Form von Punkten und Auszeichnungen.

"Es ist ein Anliegen von vielen, den Konsum zu ändern, die ein hohes Nachhaltigkeitsbewusstsein haben. Sie schaffen das ohne Hilfestellung aber nicht", sagt Jacob Hörisch, der die App entwickelt hat. Niemand wolle eigentlich Klamotten haben, in dem Kinderarbeit steckt. Die App gebe eine fundierte Hilfestellung, wie man sich eigentlich selbst verhalten möchte.

"Wir stoßen dabei im positiven Sinne einen Wettbewerb mit Freunden an, mit denen man sich vergleichen kann", sagt Nachhaltigkeitsforscher Hörisch. "Wir halten den Menschen den Spiegel vor und erlauben somit einen wertfreien Abgleich zwischen den Zielen und wie ich mich verhalten habe."

Einfacher zu nutzen als Volkshochschulkurs

Apps würden die Menschen abholen, die sich nicht freiwillig an der Uni einschreiben, um Vorträge zu Nachhaltigkeit zu besuchen. Mit dem Handy gebe es so ein präsentes Medium mit einer tollen Reichweite. "Nachhaltigkeitsapps sind leichter zu nutzen und erreichbarer als das Angebot der Volkshochschule", sagt Hörisch. Apps wie Eevie oder Go Green Challenge sind eine Art Umwelt-Coach, der das Bewusstsein im Alltag ändern will und spielerisch die Gewohnheiten hinterfragt. Wer zum Beispiel die neuen Gewohnheiten umsetzt, kann Punkte einlösen, um am Ende damit einen Baum pflanzen zu lassen.

Auch Forscherin Bienge vom Wuppertal Institut hofft auch einen Effekt durch die Nutzung von Apps. Maßnahmen wie die Anschaffung energieeffizienter Geräte oder der Umzug in die Nähe des Arbeitsplatzes bräuchten längere Vorbereitungszeiten. "In der SUSLA-App können sich die Nutzer alle Maßnahmen in einen Masterplan packen und nach und nach ausprobieren, ob sie in den eigenen Alltag passen", sagt Bienge. Ziel müsse es sein, bis 2030 den eigenen Fußabdruck auf 2,5 Tonnen CO2-Äquivalente zu reduzieren, um das 1,5- Grad-Klimaziel zu erreichen. Es gehe darum, dass sie ein Tool bereitstellten, mit dem die Menschen sofort beginnen könnten.

Über dieses Thema berichtete BR Fernsehen am 29. Februar 2020 um 19:00 Uhr in der Sendung "Gut zu wissen".

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