Gestiegene Ölpreise Benzin so teuer wie vor der Corona-Krise

Stand: 19.02.2021 14:52 Uhr

Wer heute tankt, muss wieder so viel bezahlen wie zuletzt vor einem Jahr. Hauptgrund ist der steigende Ölpreis - zuletzt wegen des extremen Kälteeinbruchs im US-Bundesstaat Texas.

Der hohe Ölpreis sorgt dafür, dass die Spritpreise derzeit so hoch sind wie seit rund einem Jahr nicht mehr. Das teilte der ADAC heute mit. Diesel kostete demnach am Donnerstag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,283 Euro pro Liter. Zuletzt war der Diesel am 22. Januar vergangenen Jahres teurer. Der Kraftstoff Super E10 kostete am Donnerstag im Schnitt 1,395 Euro. Dieser Preis wurde zuletzt vor knapp einem Jahr am 25. Februar 2020 übertroffen.

Ein Mann greift nach einer Zapfpistole
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Wer tankt, muss wieder mehr bezahlen.

"Der wichtigste Treiber ist der Ölpreis - und gerade seit Anfang November sehen wir da einen starken Anstieg", kommentierte ein ADAC-Experte die aktuellen Zahlen. Der Fachmann weist aber auch darauf hin, dass die CO2-Abgabe und die Mehrwertsteuer-Erhöhung ebenfalls maßgeblich zum Preisanstieg beigetragen hätten. Auch Heizöl notiert derzeit auf einem Niveau wie zuletzt vor einem Jahr, wie Zahlen des Infoportals Heizoel24 zeigen.  

Kälteeinbruch in Texas

Grund für den steigenden Ölpreis ist die Rekordkälte in den USA, auch wenn der Preis zuletzt wieder etwas nachgab. Durch den Kälte-Einbruch im Bundesstaat Texas lägen Förderkapazitäten im Volumen von rund einer Million Barrel pro Tag still, rechnen die Analysten der Beratungsfirma Wood Mackenzie vor. Wenn das Angebot knapper wird, verteuert dies das Öl. Die USA als größte Fördernation der Welt förderten im Jahr 2020 fast 11 Millionen Barrel am Tag.

Carsten Fritsch, Ölexperte bei der Commerzbank, rechnet damit, dass der Einfluss des Kälteeinbruchs so richtig erst in den nächsten Daten zu sehen sein werde. "Einige Schätzungen gehen davon aus, dass 40 Prozent der US-Ölproduktion infolge der extremen Witterung ausgefallen sind", so der Fachmann.

Hoffnung auf Konjunkturerholung  

Der Ölpreis hat bereits seit November angezogen. Hintergrund sind zum einen die Förderkürzungen der OPEC+, die das Angebot verknappen sollten, um die Preise zu stützen. Ferner spielt am Rohstoffmarkt auch die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung in den kommenden Monaten, die durch die Entwicklung von Impfstoffen geschürt wird, eine Rolle.

Auch andere von der Industrie benötigten Rohstoffe wie Kupfer, Eisen oder Platin verzeichnen deshalb große Preissteigerungen. Der Preis für Kupfer hat sich innerhalb eines Jahres ungefähr verdoppelt.

 

Im Zusamenhang mit dem derzeit aktuellen Thema Inflation ist der Anstieg der Rohstoffpreise ebenfalls von Bedeutung, denn diese wirken sich besonders inflationssteigernd aus. Im Ergebnis können sie dazu führen, dass Verbraucher auch für andere Produkte als Benzin mehr bezahlen müssen, weil die Produktionskosten steigen.

Ob der Ölpreis weiter steigen wird, ist ungewiss. Der ADAC-Experte sieht durchaus dämpfende Effekte: "Inzwischen haben wir ein Preisniveau erreicht, bei dem auch die amerikanischen Fracking-Produzenten wieder gewinnbringend in den Markt zurückkehren könnten. Ich würde mich daher nicht am Chor derer beteiligen, die noch höhere Ölpreise zwangsläufig erwarten."

Über dieses Thema berichtete MDR JUMP Nachrichten am 19. Januar 2021 um 23:00 Uhr.

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