Arbeit am Bildschirm Helfen Blaulichtfilter in Brillen?

Stand: 15.02.2021 17:28 Uhr

Müde Augen und Kopfschmerzen nach langen Videokonferenzen - im Homeoffice bekommen das viele zu spüren. Blaulichtfilterbrillen sollen das vermeiden. Aber nützen sie wirklich etwas?

Von Ingrid Bertram, WDR

Das Prinzip ist simpel: Wie eine Sonnenbrille vor UV-Strahlen schützt, sollen die Blaulichtfilterbrillen vor Blaulicht schützen. Blaulicht ist in LED-Strahlung von Flachbildschirmen, Smartphones, Monitoren oder Energiesparlampen enthalten, und im Homeoffice bekommen wir immer mehr davon ab. Ist also eine Sonnenbrille für die Arbeit zu Hause nötig? Erschwinglich sind die Brillen allemal: Ab 30 Euro aufwärts werden Brillen ohne Schliff angeboten, für Brillenträger als Entspiegelung bei neuen Gläsern. Zwei Varianten gibt es: Entweder sind es Gläser mit leichten, kaum sichtbaren gelblichen Tönungen - oder die Brillen haben klare Gläser, die entspiegelt sind und das Blaulicht reflektieren, weshalb sie blau schimmern.

Gefahren von Blaulicht

So beliebt mittlerweile Blaulichtfilterbrillen sind, so unklar ist aber bisher, wieviel sie eigentlich ausrichten können. Die gute Nachricht: Im Tageslicht ist ein hoher Blaulichtanteil enthalten, und das schädigt unsere Augen nicht. Im Gegenteil: Der Körper benötigt es, um die inneren Uhr - also den Schlaf-Wach-Rhythmus - im Takt zu halten.

Die schlechte Nachricht: Blaulicht kann ein Problem werden, wenn es zu intensiv auf die Netzhaut fällt und dann diese schädigt. Allerdings ist bisher nicht geklärt, wie intensiv das Blaulicht sein muss, um tatsächlich Schädigungen auf der Netzhaut zu verursachen.

Blaulicht ist im gesamten Farbspektrum ein hochenergetisches Licht im kurzwelligen Bereich. Es wird besonders gern bei LED-Flachbildschirmen und Smartphones eingesetzt, um Kontraste zu verstärken und Farben brillanter aussehen zu lassen. Aber reicht der Blaulichtanteil in den Geräten aus, um die Netzhaut zu schädigen? Tatsächlich gibt es dazu bisher keine klinische Studie, die das beweist. Oliver Stefani vom Zentrum für Chronobiologie in Basel geht aber davon aus, dass der Blick über mehrere Sekunden in starke LEDs die Netzhaut schädigen kann.

Blaulicht hält wach

Wesentlich klarer ist die Studienlage bei der Frage, wie sich Blaulicht auf unseren Schlafrhythmus auswirkt: Blaulicht sorgt über die Netzhaut dafür, dass Zellen aktiviert und die Produktion des Hormons Melatonin gehemmt wird. Durch Melatonin wird der Körper müde. In Schlaflaboren wurde bereits nachgewiesen, dass langes Schauen auf Smartphones und LED-Monitore zu längeren Einschlafphasen führen kann.

Und hier kommen Blaulichtfilterbrillen wieder ins Spiel - wenn auch nur bedingt: Wer am Abend besser einschlafen möchte, kann es durchaus damit versuchen. Die beste Wirkung haben nicht die Brillen mit leichter, sondern mit starker gelber oder orangener Tönung, da sie am meisten das Blaulicht absorbieren, meint Chronobiologe Stefani.

Ein Mann mit Brille und Smartphone am Ohr schaut auf einen Computer-Bildschirm | Bildquelle: picture alliance / Zoonar
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Wer im Homeoffice arbeitet, starrt oft stundenlang auf das Display von Computer und Handy. Blaufilterbrillen absorbieren das wachhaltende Blaulicht.

Modisches Gadget oder echte Hilfe?

Blaulichtfilterbrillen sind aber doch mehr als ein modisches Spielzeug. Stephan Degle, Leiter des Instituts für Augenoptik an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena, rät dazu, "besser weniger Blaulicht auf die Augen zu lassen", da das Risiko noch nicht geklärt sei. Durchsichtige Blaulichtbrillen können 15 bis 20 Prozent des Lichtanteils reduzieren. Auch das könne schon helfen, Augen zu entlasten.

Wer sich nicht extra eine Brille zulegen will, für den gibt es Alternativen: Zum einen kann man an vielen neuen Geräten den Nachtmodus einstellen, durch den der Blaulichtanteil reduziert wird. Zum anderen seien Spaziergänge hilfreich, meint Forscher Stefani. Durch das Tageslicht bleibt der Körper im natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Außerdem enthält es - anders als das künstliches LED-Licht - Infrarotanteile, die heilsame Wirkung auf die Augen haben sollen und kleine Schädigungen reparieren können, vermuten Forscher.

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