Ein verrosteter Schriftzug mit dem Wort "Diesel" | Bildquelle: dpa

Werbung für Dieselklagen Check24 abgemahnt

Stand: 21.12.2020 16:01 Uhr

Hat Check24 irreführende Werbung für Klagen im Dieselskandal gemacht? Dieser Meinung ist die Wettbewerbszentrale, ein in Bad Homburg ansässiger Verein - der das Vergleichsportal nun abmahnt.

Das Vergleichsportal Check24 soll Kfz-Versicherungskunden in einem per Mail verbreiteten Schreiben aufgefordert haben, prüfen zu lassen, ob sie Anspruch auf Entschädigung im Dieselskandal haben. Dabei habe das Portal den Fahrzeughaltern das Gefühl vermittelt, in jedem Fall erfolgreich wegen des Abgasskandals klagen zu können, teilte die Wettbewerbszentrale am Montag mit.

Der in Bad Homburg sitzende Verein führt ein Schreiben an einen Halter auf, dessen Fahrzeugmodell keinerlei Manipulationsvorwürfen bei der Abgasreinigung ausgesetzt war. Da es bis dato kein rechtskräftiges Urteil gebe - weder gegen den Hersteller, noch für das fragliche Fahrzeugmodell -, bestehe für den Betreffenden keine Chance, "auch nur einen Euro zu erhalten", erklärt die Wettbewerbszentrale in einer Mitteilung.

Post an Autofahrer

Dagegen wird den Kunden in der Mail von Check24 suggeriert, sie könnten mit "hoher Wahrscheinlichkeit" mit einer Entschädigung von "bis zu 10.000 Euro" rechnen, "ohne Kostenrisiko" und mit sehr guten Erfolgsaussichten.

Es gehe nicht um einen Einzelfall, vielmehr lägen mehrere fast identische Schreiben an Halter vor, so der Verein. Ein solches Geschäftsgebaren fördere die "Dieselklageindustrie", kritisiert Rechtsanwalt Andreas Ottofülling von der Wettbewerbszentrale. Es gehe nicht darum, berechtigte Ansprüche von Geschädigten zu verneinen.

Die Praxis zeige aber, dass nicht selten textbausteinartig verfasste Klagen zu Zehntausenden bei den deutschen Gerichten eingereicht wurden und die Justiz lähmten. Daher gelte es, offensichtlich nicht erfolgversprechende Klagen zu vermeiden.

Check24 spricht von fragwürdiger Abmahnung

Check24 erklärte, man habe im Dieselskandal mehr als 10.000 Kundinnen und Kunden geholfen, ihre Ansprüche durchzusetzen. Sie hätten im Schnitt 3000 Euro Schadenersatz erhalten. Aus Verbrauchersicht sei die Abmahnung fragwürdig, so das Unternehmen. Die Abmahnung der Wettbewerbszentrale beziehe sich nur auf "einzelne Formulierungen in unserer Kommunikation und nicht auf unseren Service insgesamt".

Die Wettbewerbszentrale bezeichnet sich als die größte und einflussreichste "Selbstkontrollinstitution zur Durchsetzung des Rechts gegen den unlauteren Wettbewerb". Sie finanziere sich "allein aus der Wirtschaft" heraus und erhalte keine öffentlichen Mittel.

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