E-Patientenakte Kritik an Datenschutz und Kosten

Stand: 12.02.2021 09:49 Uhr

Patientenbefunde digital auf einen Blick: Das soll die elektronische Patientenakte liefern, die es seit Januar gibt. Sie sorgt weiter für Datenschutz-Diskussionen. Ein anderer Kritikpunkt: die Kosten.

Von Sarah Beham, BR

Seit Januar haben alle Kassenversicherten Anspruch auf die ePA. Sie soll es für Patienten einfacher machen, ihre Behandlungsdaten zu speichern und zu verwalten.

Kein einziger Patient hat bisher die elektronische Patientenakte, kurz ePA, bei Zahnarzt Walter Wanninger in Straubing genutzt. Eine Anfrage bei den vier größten gesetzlichen Krankassen Deutschlands, DAK, AOK, Barmer und Techniker, bestätigt: Jeweils weniger als ein Prozent der bundesweit Versicherten nutzen die ePA bisher. Die Krankenkassen weisen aber darauf hin, dass die Einführung zunächst mit einer Testphase begonnen habe.

In Wanningers Praxis gäbe es die Möglichkeit, die ePA zu nutzen. Der Zahnarzt ist an die dafür notwendige Telematikinfrastruktur, kurz TI, angeschlossen - ein Gesundheitsdatennetzwerk, das Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser vernetzt. Dafür hat Wanninger wie viele andere Arztpraxen und Apotheken Geld investiert, beispielsweise für die sogenannten TI-Konnektoren - kleine Geräte, vergleichbar mit einem Internetrouter. Wanninger kritisiert, dass Zuschüsse dafür von der Politik versprochen, aber bisher noch nicht ausgezahlt wurden.

TI 1.0 soll durch TI 2.0 abgelöst werden

Hinzu kommt: Jetzt, da viele Praxen in diese Technik investiert haben und an die TI angeschlossen sind, schreibt die Gematik - die zuständige Betreibergesellschaft -  in einem im Januar veröffentlichten Diskussionspapier, dass die TI 1.0 mit den Konnektoren bis 2025 von einer neuen TI 2.0 abgelöst werden soll. In einer Antwort heißt es: "Mittel- bis langfristig sehen wir aber insbesondere mit Blick auf die Erweiterung der Telematikinfrastruktur auf weitere Berufsgruppen im Gesundheitswesen ein Ende dieser Technologie und wollen diese perspektivisch durch die Vorschläge im Whitepaper schrittweise ersetzen."

Ärzte wie Wanninger sehen den Vorschlag einer neuen TI 2.0 kritisch: "Es wäre lustig, wenn es nicht so ernst wäre. Wie viel Geld, wie viele Milliarden und Steuergelder von diesem System der Gematik in der Politik verschlungen wurden", meint er. "Wenn die Fachleute schon sagen, dass jetzt die TI 1.0 - wo sie noch nicht mal richtig am Laufen ist - schon überholt ist und man denkt schon an eine Weiterentwicklung nach, dann - ehrlich gesagt - denkt man sich: Für was das Ganze?"

2,5 Milliarden Euro für Telematik-Projekte

Vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung heißt es auf Anfrage, dass von 2008 bis 2019 ingesamt fast 2,5 Milliarden Euro für Telematikinfrastruktur-Projekte ausgegeben wurden. Eine genaue Aufschlüsselung dafür gebe es nicht.

Das Bundesgesundheitsministerium begrüßt den Vorschlag einer neuen TI 2.0, wie es in einer Antwort heißt: "Die digitale Welt entwickelt sich mit einer sehr hohen Geschwindigkeit weiter. Mit dieser Entwicklung muss auch die Telematikinfrastruktur Schritt halten."

Kritik am Datenschutz

Was sich auch in Zukunft nicht ändern wird: das Speichern der Patientendaten in Clouds. Ärzte und Apotheker sehen das kritisch, sie befürchten Hackerangriffe und Datenverluste.

Das ist unter anderem ein Grund für Zahnarzt Roman Bernreiter aus Zwiesel, warum er gar nicht an die TI angeschlossen ist. Er wirbt damit, eine telematikfreie Praxis zu sein. Der Arzt zählt damit zu einer kleinen Gruppe von Telematikverweigerern. Alleine in Bayern sind bereits 93 Prozent aller Zahnarztpraxen an die TI angeschlossen, wie es von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns heißt. Denn sonst drohen Honorarkürzungen - Bernreiter werden bereits zwei Prozent seines Jahreshonorars gestrichen.

Wie er sagt, sind ihm seine Patienten das aber wert: "Ich könnte meinen Patienten nicht in die Augen schauen, wenn ich hier die Daten auf einen Server lege, auf den weder ich noch meine Patienten weiteren Zugriff hätten."

Auch wenn einige Ärzte skeptisch sind, das Gesundheitsministerium steht hinter der e-Patientenakte. Die Digitalisierung soll die Patientenbehandlungen schneller und effektiver machen, Ärzten und Apothekern einen besseren Überblick verschaffen und Doppelbehandlungen vermeiden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Februar 2021 um 11:00 Uhr.

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