Nachfrage steigt Investition Ferienwohnung

Stand: 13.02.2021 11:01 Uhr

Ferienimmobilien sind in der Pandemie begehrt. Durch den Boom des Inlandsurlaubs suchen auch mehr Menschen Objekte zur Eigennutzung oder Vermietung. Einige eher unbekannte Regionen sind überraschend beliebt.

Von Philipp Wundersee, WDR

Eigentlich wollten sie eine Wohnung in der Großstadt kaufen. Doch als Corona kam, hatte Familie Thiele aus Berlin eine Idee: Ein Feriendomizil an der Küste. "Wir machen schon seit Jahrzehnten an der Ostsee Urlaub und suchten eine Möglichkeit, Geld anzulegen", sagt Sebastian Thiele. Also kauften sie eine kleine Wohnung auf Rügen, die sie vermieten und als Rückzugsort für die vierköpfige Familie nutzen wollen.

Die Nachfrage nach Ferienwohnungen in Deutschlands Urlaubsregionen ist ungebrochen groß, sagen Marktanalysten. Die eigene Ferienwohnung biete mehrere Möglichkeiten: eine nachhaltige Kapitalanlage durch Mieteinnahmen und den eigenen Zweitwohnsitz in einer Ferienregion mitten in der Pandemie. "Wir beobachten den Trend, dass Feriendomizile und Zweitwohnsitze nun auch verstärkt zum Remote Working genutzt werden", sagt Kai Enders, Vorstandsmitglied der Engel & Völkers AG.

Vor allem ruhige Orte sind gefragt

In der Pandemie hätten auch ruhigere, abgelegenere Orte an Attraktivität gewonnen, die genügend Raum für Social Distancing bieten und dennoch über eine gute Erreichbarkeit zu Metropolen verfügen. Auch das war ein Grund für Familie Thiele. "Wir leben in Berlin mitten in einer Millionenstadt und wollten mit unseren Kindern regelmäßig raus in die Natur ans Meer, wo wir weniger Risiko haben für Ansteckungen und auch mal abschalten können", sagt Sebastian Thiele.

Diesen Trend bestätigt auch Daniel Ritter, Vorstand von Poll Immobilien. "Auch die Erholungsgebiete in der Nähe von Großstädten, wie die Eifel, Mosel, Spreewald oder die Mecklenburgische Seenplatte werden immer mehr nachgefragt", sagt er. Hier seien die Immobilienpreise derzeit noch moderater als in den klassischen Regionen.

Die Marktdaten zeigen: Im Norden hat das Interesse für Ferienimmobilien in Schleswig-Holstein und an der Mecklenburgischen Seenplatte noch weiter zugenommen. Im Süden ist die Nachfrage für Urlaubsdomizile im ländlichen Bayern und Baden-Württemberg weiter gestiegen. "Die Weitläufigkeit und die geringe Bevölkerungsdichte dieser Regionen führten zu deutlich wachsenden Preisen beim Verkauf und bei der Vermietung", sagt Kai Enders.

Inländer kaufen im Inland

Interessenten stammen vor allem aus dem Inland und suchen hier nach stabilen Wertanlagen. Der deutsche Markt gilt dabei als besonders sicheres Umfeld, weswegen sich zunehmend mehr deutsche Kunden auf den Heimatmarkt konzentrieren.

Die aktuelle Niedrigzinsphase verstärke das Interesse wie in den meisten Immobiliensegmenten auch im Ferienimmobilienmarkt, erklärt Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. "Es gibt auch Kaufinteressenten, die die Ferienimmobilie in Deutschland als Alternative zu der weniger umweltfreundlichen Flugreise sehen", sagt er. "Weitere Impulse kommen durch die Tatsache, dass verstärkt auf Ersparnisse Negativzinsen verlangt werden, was die Investitionsfreudigkeit erhöht."

Der Trend, dass Ferienwohnungen verstärkt als Kapitalanlagen erworben werden, zeige sich vor allem an der Ostseeküste und am Bodensee, wo der Anteil an Eigennutzern niedrig ist. Vor dem Hintergrund der Pandemie sei das Geschäft mit Ferienimmobilien im Ausland momentan stark rückläufig.

Angebot in Premiumlagen bleibt knapp

Durch begrenzte Neubaumöglichkeiten bleibt das Angebot an Ferienwohnungen vor allem in den Premiumlagen Deutschlands äußerst knapp. Für besonders gut gelegene Wohnungen werden daher weiterhin Preise über dem Marktniveau erzielt. Dieses Jahr liegen laut Engel & Völkers die Quadratmeterpreise für Ferienwohnungen in guter Lage von Norderney zwischen 12.000 und 15.000 Euro. In guter Lage von Travemünde werden Quadratmeterpreise zwischen 5000 bis 7000 Euro aufgerufen. Ferienwohnungen in guter Lage von Garmisch-Partenkirchen erreichen in diesem Jahr 6500 bis 8500 Euro pro Quadratmeter.

Die Preise sind weiter hoch, aber das war kein Grund für Familie Thiele aus Berlin, nicht zu kaufen. "Die Pandemie hat uns auch gezeigt, was wir wirklich wollen als Familie. Und so eine Wohnung auf Rügen ist ein toller Ort, der uns hoffentlich noch Jahre lang Freude bringen wird", sagt Sebastian Thiele.

Diese Freude hat viel Geld gekostet. Denn Nord- und Ostseeinseln haben laut von Poll Immobilien weiterhin stärkere Preissteigerungen als andere Regionen. Hier stiegen die Preise 2020 um durchschnittlich 16 Prozent. Ob Haus am See, eine Wohnung mit Meerblick oder ein Rückzugsort in den Bergen: Immer mehr Menschen erfüllen sich den teuren Traum einer Ferienimmobilie. Mitten in Corona-Zeiten scheinen die erst recht gefragt zu sein.

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