Strengere Regeln für Industrie Tabakwerbung verschwindet fast ganz

Stand: 30.12.2020 08:42 Uhr

Zum Jahreswechsel wird die Werbung für Tabakprodukte wie Zigaretten weiter eingeschränkt. In einigen Jahren wird sie in der Öffentlichkeit fast gar nicht mehr zu sehen sein - was Lungenfachärzte begrüßen.

Von Nils Rode, WDR

Einst war es der Cowboy, und der hatte eine Zigarette. Generationen sind mit diesem oder ähnlichen Werbeikonen der Tabakindustrie groß geworden. Bis heute tauchen sie in Kinospots, auf Litfaßsäulen oder Plakatwänden auf. Doch damit soll jetzt Schluss sein. So will es nach jahrelangem Zaudern der Gesetzgeber.

Nachdem auch der Bundesrat dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes im September zugestimmt hatte, gelten mit dem Jahreswechsel neue Werbeverbote.

Den Anfang machen die Kinos. Für alle Filme, die Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sehen dürfen, gilt ab dem Neujahrstag ein striktes Tabakwerbeverbot. Dort dürfen dann keine Spots mehr für Zigaretten oder andere Tabakerzeugnisse laufen. Verboten wird auch das Verteilen von Gratis-Proben - bisher eine beliebte Art der Promotion, zum Beispiel bei Konzerten oder in Fußgängerzonen.   

Chronische Bronchitis und Krebserkrankungen

Der Lungenfacharzt Norbert Karl Mülleneisen aus Leverkusen hält das für längst überfällige Schritte. "Jeden Tag haben wir mit den Auswirkungen des Tabakkonsums zu tun. Mit Bronchialkarzinomen, mit chronischen Bronchitis und anderen Erkrankungen", so der Vorsitzende des Berufsverbandes der Pneumologen in Nordrhein. "Insbesondere durch die Werbung werden Kinder dazu verführt, frühzeitig mit dem Rauchen zu beginnen. Deswegen haben wir ein Werbeverbot seit langem gefordert."

Gerade die Jüngsten müssten vor dem Zigarettenkonsum geschützt werden, so der Mediziner. Denn schließlich reiche bereits die erste Zigarette, um abhängig zu werden. "Sie werden nicht nach der ersten Schokolade süchtig, sie werden nicht nach dem ersten Bier süchtig, aber nach der ersten Zigarette fangen sie langsam an und werden süchtig."

Jahrelange Übergangsfristen

Doch Kinder und Jugendliche werden weiter Werbung für Zigaretten sehen. Zumindest für ein weiteres Jahr an den Bushaltestellen oder auf Plakaten. Denn Außenwerbung wird für herkömmliche Tabakprodukte erst vom 1. Januar 2022 an verboten. Der Stichtag für ein Werbeverbot für Tabakerhitzer ist der 1. Januar 2023, für elektronische Zigaretten und Nachfüllbehälter sogar erst der 1. Januar 2024. Am Ende wird nur noch eines erlaubt sein: Tabakwerbung in den Schaufenstern der Tabakläden.

127.000 Tote pro Jahr

Zwar sinkt die Zahl der Tabak-Konsumenten in allen erfassten Altersgruppen zwischen zwölf und 65 Jahren. Aber immer noch sterben etwa 127.000 Menschen pro Jahr an den Folgen des Rauchens. Diese Zahl veröffentlichte Ende November die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig. "Jedes Jahr versterben auch ohne Corona 127.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Daher sind wir - trotz insgesamt rückläufiger Zahlen - hier lange noch nicht am Ziel. Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko, gerade in dieser Zeit."

Der deutsche Zigarettenverband lehnt das umfassende Tabakwerbeverbot ab. Es sei ein unverhältnismäßiger Eingriff. Die Produkte dürften ja an Erwachsene frei verkauft werden, Werbung sei aber nicht mehr zulässig. "Es ist das erste Produkt, für das jede kommerzielle Kommunikation untersagt wird. Das passt nicht zu unserer freiheitlichen Wirtschaftsverfassung", sagt Geschäftsführer Jan Mücke. Einzelne Mitgliedsunternehmen prüften noch, ob sie wegen des Werbeverbots vor das Bundesverfassungsgericht ziehen werden.

Verbot erst im zweiten Anlauf

Das Bundeskabinett hatte ein Tabakwerbeverbot bereits 2016 beschlossen. Im Bundestag steckte die Vorlage dann aber jahrelang fest - vor allem wegen des Widerstands in der Unionsfraktion. Dort herrschten generelle Bedenken gegen einen derartigen Eingriff. Ende des vergangenen Jahres gab die Unionsfraktion den Weg für einen zweiten Anlauf aber frei.

Bestimmte Formen der Tabakwerbung sind bereits seit einigen Jahren verboten. So darf seit 2007 nicht in Printmedien, im Internet und in Kino vor 18 Uhr für Tabakprodukte geworben werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Dezember 2020 um 12:50 Uhr.

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