Fleischersatz im Trend Pepsi kooperiert mit Beyond Meat

Stand: 27.01.2021 15:38 Uhr

Überall auf der Welt gibt es immer mehr Veganer. Der Markt für Lebensmittel, die keine Zutaten tierischen Ursprungs enthalten, wächst rasant. Da wollen auch Getränkehersteller mitmischen.

Vegane Burger, Kaffee mit Hafermilch oder Soja-Bolognese - immer mehr Menschen weltweit leben vegan. Künftig soll eine neue Variante in die Regale kommen: pflanzenbasierte Soft-Drinks und Snacks. Dafür gründen der US-Getränkeriese PepsiCo und der Pionier im Bereich von Fleischersatzprodukten, Beyond Meat, ein Gemeinschaftsprojekt.

Das Joint Venture mit dem Namen "The PLANeT Partnertship" soll die Technologie von Beyond Meat sowie die Marketing- und Vertriebskapazitäten von Pepsi nutzen, wie beide Unternehmen bekanntgaben. "Pflanzliche Proteine stellen für uns eine aufregende Wachstumschance dar, eine neue Grenze in unserem Bestreben, ein nachhaltigeres Lebensmittelsystem aufzubauen und eine positive Kraft für die Menschen und den Planeten zu sein", sagte Ram Krishnan, Global Chief Commercial Officer von PepsiCo. Gleichzeitig werde die hohe Nachfrage der Verbraucher nach nachhaltigen Lebensmitteln erfüllt.

Diese ist tatsächlich riesig. Allein in Deutschland ernähren sich nach Angaben von Veganz, einer veganen Supermarktkette aus Berlin, 2,6 Millionen Menschen vegan. Seit 2016 hat sich die Zahl demnach verdoppelt.

Aktionsmonat "Veganuary"

Beyond Meat stellt Fleischalternativen auf pflanzlicher Basis her - ohne tierische Zutaten. Die Kalifornier sind vor allem für ihre veganen Burger bekannt, die inzwischen diverse Fast-Food-Ketten führen. In Deutschland haben sie auch Discounter wie Lidl im Angebot.

Beyond Meat Produkte in einem Supermarkt
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Produkte von Beyond Meat sind in vielen Supermärkten hierzulande erhältlich.

Laut einer YouGov-Umfrage ist die gesunde Ernährung einer der beliebtesten Neujahrsvorsätze der Deutschen. Das zeigen auch Zahlen des Aktionsmonats "Veganuary". Die britische Organisation ruft Verbraucher dazu auf, im Januar vegan zu essen. Bereits zu Jahresbeginn hatten sich 440.000 Menschen angemeldet - bisheriger Rekordwert der jährlichen Aktion.

Auch der deutsche Einzelhandel beteiligt sich: Mehr als 100 große Handels- und Gastronomie-Ketten bieten derzeit besondere Bio-Angebote oder vegane Produkte an.

Konzerne investieren in den Hype

Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) stiegen gerade die Verkaufszahlen von Fleisch- und Wurstersatz - beispielsweise Weizenproteine oder Soja - zuletzt enorm an. Mit rund 266.000 Tonnen verkauften Tonnen kletterten sie 2019 auf ein Rekordhoch, wie aus dem aktuellen "Fleischatlas" hervorgeht. "Der Markt für Fleischersatzprodukte entwickelt sich so dynamisch wie nie zuvor", schrieben die Autoren Anfang Januar.

Und er wächst stetig weiter. Prognosen der Unternehmensberatung A.T. Kearny zufolge werden bis zum Jahr 2030 rund 28 Prozent der Fleischprodukte durch pflanzliche Alternativen ersetzt. Bis 2040 soll dieser Wert sogar auf 60 Prozent ansteigen. Demnach wächst der globale Markt bis dahin auf 450 Milliarden Dollar.

Aus diesem Grund investieren zahlreiche Konzerne aus der Lebensmittelbranche in den veganen Hype. Etwa der britische Konsumgüterriese Unilever kaufte vor einiger Zeit die Marke "The Vegetarian Butcher" und hat es damit bereits in viele Regale hierzulande geschafft. Innerhalb von sieben Jahren will das Unternehmen eine Milliarde Euro mit pflanzlichen Fleisch- und Milchalternativen erwirtschaften.

Rügenwalder Mühle Nummer eins

Auch beim Platzhirsch Nestlé arbeiten Hunderte Mitarbeiter an pflanzlichen Produkten für Fleisch, Fisch oder Milch. Noch ist der Anteil am Umsatz vergleichsweise gering. Doch er wächst. "Das Interesse an pflanzlichen Alternativen hat aus verschiedenen Gründen zugenommen”, sagte Konzernchef Mark Schneider kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Einnahmen mit pflanzlichen Lebensmitteln seien allein im ersten Halbjahr 2020 um 40 Prozent nach oben geklettert. Zuletzt wurde gar der vegane "Thun-Visch" vorgestellt.

Marktführer in Deutschland ist Experten zufolge das niedersächsische Unternehmen Rügenwalder Mühle. Die Firma machte nach eigenen Angaben im Juli 2020 erstmals mehr Umsatz mit veganen und vegetarischen Fleischalternativen als mit klassischem Aufschnitt oder Teewurst.

Verbände warnen vor Zuckerbomben

Die Herstellung von Fleischersatz-Produkten gilt als wesentlich umweltfreundlicher als die von Fleisch. Allerdings ist in den vergangenen Jahren auch der großflächige Anbau von Soja und ähnlichen Produkten stärker in die Kritik geraten.

Studien zeigen, dass eine Ernährung mit Gemüse, Obst und ballaststoffreichen Getreideprodukten das Risiko senke, an Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes zu erkranken. Dennoch warnen Verbraucherschützer gerade beim Fleischersatz vor einigen Produkten, die mit Bestandteilen aus Minderalöl belastet sind. Diese Schadstoffe könnten sich im Körper ansammeln, teilte die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein vergangenes Jahr mit.

Außerdem enthielten Ersatzprodukte diverse Zusatzstoffe wie Aromen, Geschmacksverstärker oder Farbstoffe ein sowie besonders viel Fett, Zucker und Salz. Gerade für ihren hohen Zuckergehalt werden auch Softdrinks und Snacks wie von PepsiCo immer wieder kritisiert. Verbände und Krankenkassen forderten jüngst Werbeverbote und eine Zuckersteuer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2021 um 19:30 Uhr.

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