chinesische und australische Flagge auf Weinmesse | Bildquelle: dpa

Australien und China im Streit Machtdemonstration mit Wein

Stand: 14.12.2020 16:47 Uhr

Über Monate hat sich der Handelsstreit zwischen Australien und China hochgeschaukelt. Schon lange geht es dabei nicht mehr nur um Huawei und das 5G-Netz. Die Volksrepublik demonstriert ihre Macht - mit massiven Zöllen.

von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Trinken für den guten Zweck: Im Außenministerium von Taiwan wird demonstrativ "Freedom Wine" serviert - australischer Wein mit dem vielsagenden Etikett des Freiheitsweins versehen. Denn China erhebt seit dem Wochenende auf den Import australischer Weine Zölle zwischen 107 und 212 Prozent.

Nur eine von mehreren Strafmaßnahmen im eskalierenden Konflikt zwischen Australien und China: Erst traf es australische Gerste, dann Rindfleisch - australische Steaks sind berühmt - dann Kohle und jetzt eben den Wein. Der australische Handelsminister Simon Birmingham ist nicht erfreut: "Wir können ein Verhaltensmuster erkennen, und dieses Muster ist inakzeptabel. Es scheint weder einherzugehen mit den Vorschriften noch mit der Idee von Chinas Zusagen im chinesisch-australischen Freihandelsabkommen; es widerspricht auch ihrer Zusage an die ganze Welt durch die Welthandelsorganisation."

Frachter liegen in Häfen fest

China ist der größte Exportmarkt Australiens. Es war lange der größte Abnehmer von Australiens Kohle und anderen Bodenschätzen, für Lebensmittel wie Fleisch und Milch. Jetzt liegen laut Beobachtern Frachter mit Kohle beladen vor chinesischen Häfen und dürfen ihre Ladung nicht löschen.

Im Oktober verbot China seinen Baumwollspinnereien, australische Baumwolle zu kaufen - das bedroht einen Exportzweig, der Australien umgerechnet 560 Millionen Euro einbringt. Die Baumwollproduzenten sehen sich jetzt besorgt nach anderen Abnehmern um. Sie sagen, dass die Abwägung zwischen Risiko und Ertrag im Handel mit China außer Balance gerät.

Streitpunkt 5G-Netz

Wie konnte das passieren? Was hatte Australien getan? Zunächst hatte die Regierung das chinesische Unternehmen Huawei davon ausgeschlossen, das 5G-Netzwerk zu errichten. Das war der erste Schlag ins Gesicht. Australien schlug sich im Konflikt ums Südchinesische Meer klar auf die Seite aller anderen Interessenten. Und dann kam Corona - und Außenministerin Marise Payne fand deutliche Worte: "Die Probleme rund um das Virus sind ein Fall für eine unabhängige Untersuchung und ich denke, es ist wichtig, den Ursprung unabhängig erforschen zu lassen, und tatsächlich besteht Australien entschieden darauf."

Australiens Premier Scott Morrison | Bildquelle: REUTERS
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Die Regierung von Australiens Premier Scott Morrison hat China mit ihren Entscheidungen verärgert.

Spätestens da fand Australien sich mitten im Konflikt der Mächte zwischen den USA und China wieder: Denn Peking sieht Australiens Schritte als Teil einer US-geführten Strategie. Vor allem haben sie dabei aus chinesischer Sicht die falschen Worte gewählt, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Zhao Lijian. "China hat immer wieder festgehalten, dass Australien wiederholt zu falschen Worten und Taten gegriffen hat in Bereichen, die Chinas Kerninteressen und Sorgen betreffen. So kam es zu provokativen und konfrontativen Handlungen. Das ist die Ursache der gegenwärtigen schwierigen Situation zwischen China und Australien. Die australische Seite sollte Chinas Sorgen ernst nehmen und ihre Fehler korrigieren."

Zeit für einen Neustart?

Eben dieser Zhao Lijian postete kürzlich das gefälschte Foto eines lächelnden australischen Soldaten, der einem afghanischen Kind ein blutiges Messer an die Kehle hielt. Dazu schrieb Zhao: "Schockiert vom Mord an afghanischen Zivilisten und Gefangenen durch australische Soldaten". Tatsächlich sollen australische Soldaten in Afghanistan Kriegsverbrechen begangen haben, das hat die Armee des Landes Mitte November eingeräumt. Aber die Fotomontage brachte Australiens Premier Scott Morisson auf die Palme: Das sei absolut abscheulich und nicht zu rechtfertigen.

Er forderte eine Entschuldigung - die aber blieb aus. "Diese Art von Verhalten ist nicht angebracht. Darum würde ich hoffen, dass dieses abstoßende Ereignis zu einem Reset führt, sodass wir unseren Dialog neu beginnen können und vernünftig und ohne Bedingungen über unsere Probleme reden können."

Vielleicht ist es für den Neustart den Premier Morrison hier wünscht, schon zu spät. Einige Beobachter sagen, dass hier ein Exempel statuiert würde - wer sich China widersetzt, bekommt Probleme. Und dass die betroffenen Australier, die auf ihrer Baumwolle, ihrem Holz und ihrem Wein sitzenbleiben vielleicht gar nicht mit den Schritten ihrer Regierung einverstanden waren. Soviel "Freedom Wine" kann Taiwan gar nicht trinken.

Von Freedom-Wein und Handelskrieg: Australien und China im Konflikt
Lena Bodewein, ARD Singapur
14.12.2020 15:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Dezember 2020 um 18:40 Uhr.

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