Chinas Wirtschaftspolitik Ausländische Firmen im Abseits?

Stand: 05.03.2021 09:15 Uhr

Mehr Konsum, neue Industriestandards und mehr Qualität: Die Ziele der chinesischen Regierung für die kommenden Jahre sind ehrgeizig. Welche Rolle spielen dabei ausländische Firmen?

Von Birgit Eger, ARD-Studio Shanghai, z. Zt. in Köln

Selten erregen Parlamentssitzungen so viel Aufmerksamkeit wie der Nationale Volkskongress in China. Internationale Medien werden in den nächsten Tagen jede Äußerung, jedes Dokument genau verfolgen. Und diesmal wird es besonders spannend, denn mit dem 14. Fünfjahresplan, den der Volkskongress verabschieden wird, könnte eine neue  Phase in Chinas Wirtschaftsentwicklung beginnen.

Die Corona-Krise und der Handelskrieg mit den USA haben auch der chinesischen Regierung gezeigt, wie stark vernetzt inzwischen die Weltwirtschaft ist. Die US-Sanktionen gegen Firmen aus der Volksrepublik haben zum Beispiel bewirkt, dass in China hochwertige Chips für die Handy-Produktion fehlten. Die Strategie ist deshalb eine Politik der zwei Kreisläufe: die Konzentration auf die heimische Ökonomie und Stärkung des inländischen Konsums einerseits bei gleichzeitiger Exportförderung andererseits.

Abschottung wie unter Mao?

Die Ankündigungen erinnern an die Abschottungspolitik aus den 1960er-Jahren unter Mao Zedong. Doch so weit werde es nicht kommen, da ist sich Finanzberaterin Ye Tan sicher. "Chinas zwei Kreisläufe bedeuten nicht, dass China seine Tür wieder zumacht. Ein Zurück in alte Zeiten ist nicht möglich", sagt sie. Was China weiterhin antreibe, das seien Konsum und Export. "Vielleicht hat China in der Vergangenheit den inländischen Konsum und die Produktqualität nicht so im Blick gehabt. Das Land sollte sich jetzt darauf konzentrieren, die Qualität der Industrieprodukte für den heimischen Markt zu steigern, um die Importe ersetzen zu können."

Denn bei allen Erfolgsmeldungen steht China auch vor großen Problemen: Sie reichen von hoher Staatsverschuldung hin bis zur Einkommensungleichheit. Eine Möglichkeit, das Wirtschaftswachstum zu fördern und die Abhängigkeit vom Ausland abzubauen sind mehr Investitionen in Forschung und neue Techniken. Deutsche Firmen wollen dabei sein - bei technischen Weiterentwicklungen, aber auch, um den riesigen chinesischen Markt zu nutzen.

Die Europäer wollen ein Stück vom Kuchen

Dabei machten komplizierte Bürokratie und strenge politische Vorgaben den Alltag manchmal schwer, weiß Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China. "Die europäische Wirtschaft will partizipieren. China steht für 30 Prozent des globalen Wachstums, da muss man schon in dem Markt sein", sagt er. China habe noch einen wirklich großen Wachstumsschub vor sich. "Nur das große Problem ist: Dürfen wir mitspielen oder nicht?" 

Die meisten deutschen Unternehmen haben das jedenfalls vor: 96 Prozent wollen in China bleiben, hat die Außenhandelskammer erfragt. Denn die Prognosen sind verlockend: In seiner Rede auf dem Volkkongress nannte Ministerpräsident Li Keqiang 6 Prozent Wirtschaftswachstum als Ziel für dieses Jahr.

Reformbedürftige Strukturen

Doch wie nachhaltig das Wachstum sein kann, hängt auch von weiteren Reformen ab, meint Michael Pettis, Wirtschafts-Professor an der Peking Universität. Es bedürfe jetzt vor allem eines Umbaus der Institutionen: "Mit Infrastrukturprojekten die Wirtschaft ankurbeln ist einfach, so lief das bisher. Aber jetzt kommt der schwierigere Teil. Deshalb bin ich nicht sicher, ob das Instrument der Fünfjahrespläne noch funktioniert."

Tatsächlich gehen die Pläne der chinesischen Regierung schon weiter, nämlich bis  2049 - zum 100. Geburtstag der Gründung der Volkrepublik. Dann will China eine weltweit führende Wirtschaftsmacht sein. Größere institutionelle Reformen stehen aber nicht auf der Agenda.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. März 2021 um 07:35 Uhr.

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