G20-Finanzministertreffen Schuldenerleichterung für arme Länder

Stand: 07.04.2021 19:05 Uhr

Arme Länder bekommen bis Jahresende Zeit, um ihre Schulden zurück zu zahlen. Das haben die Finanzminister der 20 führenden Industriestaaten beschlossen. Zudem soll der IWF mehr Geld bekommen.

Die Finanzminister der 20 führenden Wirtschaftsnationen (G20) haben den ärmsten Ländern der Welt angesichts der Corona-Krise einen weiteren Aufschub bei Zins- und Tilgungszahlungen ihrer Schulden gewährt. Dieses sogenannte Schuldenmoratorium sei bis Jahresende verlängert worden, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) nach einer Videokonferenz mit seinen G20-Amtskollegen.

So sollen die Länder mehr Spielraum für Investitionen zur Bekämpfung der Pandemie bekommen. Der Aufschub allein reiche allerdings nicht aus, betonte Scholz. Nötig sei auch, manchen Ländern die Schulden komplett zu erlassen. Dabei sollten private Geldgeber mindestens ebenso stark einbezogen werden wie die Gläubigerländer.

Gefährliche Spaltung

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa begründete die Erleichterungen mit der "gefährlichen Spaltung" der Welt zwischen reichen und armen Ländern. Während die USA und China mit Volldampf aus der Krise kämen, seien viele Entwicklungsländer in der Corona-Pandemie weiter zurückgefallen. Deshalb müsse der Fokus auf einer faireren Verteilung von Impfstoffen liegen - je schneller geimpft werde, desto geringer seien die wirtschaftlichen Wunden. Die Forderung der besonders hoch verschuldeten Staaten Mexiko und Argentinien nach zusätzlichen Erleichterungen, um eine Krise nach der Krise zu verhindern, wurde dennoch abgelehnt.

Allerdings soll der Internationale Währungsfonds (IWF) "schon bald" eine Finanzspritze bekommen. Angestrebt werden laut Scholz rund 650 Milliarden Dollar. Auch dieses Geld soll unter anderem Schwellen- und Entwicklungsländern mehr Spielräume zur wirtschaftlichen Erholung und Bekämpfung der Corona-Pandemie geben.

Die von den Musikern Bono und Bob Geldof gegründete Entwicklungsorganisation One begrüßte beide Beschlüsse. Der Schuldenstopp gebe armen Ländern kurzfristig mehr Spielraum, sagte die Interims-Direktorin von One Deutschland, Karoline Lerche. "Sie sollten nicht vor der Entscheidung stehen müssen, entweder Schulden zurückzuzahlen oder Menschenleben zu retten." Letztlich sei die Vereinbarung aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Laut One profitieren 45 Länder von dem Schuldenmoratorium. Sie könnten nun weitere Rückzahlungen von 9,9 Milliarden Dollar stunden und das Geld für die Gesundheitssysteme und zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft nutzen.

"Politischer Klimawandel"

Nach dem Ende der US-Präsidentschaft von Donald Trump haben sich die G20-Finanzminister im Abschlussdokument auch wieder für einen auf offenen und klaren Regeln basierenden Welthandel ausgesprochen. Dies sei ein wichtiger Baustein, um nach der Corona-Krise wieder für Wachstum und neue Jobs zu sorgen. Protektionismus müsse bekämpft und die Welthandelsorganisation WTO reformiert werden.

Auch werde der Kampf gegen den Klimawandel immer drängender. Deshalb müssten die Umbrüche in der Corona-Krise genutzt werden, um eine nachhaltigere Wirtschaft zu schaffen. Solche Formulierungen hatte die Trump-Regierung vier Jahre lang verhindert. Der Republikaner hatte den Klimawandel immer wieder verharmlost. Scholz sprach von einem "politischen Klimawandel" in den Gesprächen.

G20 Finanzminister: Schuldenerleichterung und Mindeststeuer
Arthur Landwehr, ARD Washington
07.04.2021 18:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. April 2021 um 19:02 Uhr.

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