Gefahr sozialer Unruhen Nahrungsmittel werden immer teurer

Stand: 04.02.2021 17:14 Uhr

Seit Monaten legen die Preise für Nahrungsmittel weltweit zu, wie aktuelle Daten der UN-Welternährungsorganisation FAO zeigen. Das könnte zu Hungersnöten und sozialen Unruhen führen.

Die Preise für Nahrungsmittel steigen weltweit den achten Monat in Folge. Das zeigt der aktuelle Lebensmittel-Preisindex der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agricultural Organization). Die FAO publiziert monatlich einen Preisindex, den FAO Food Price Index (FFPI), der aus einem gewichteten Korb aus fünf Warengruppen besteht: Fleisch, Milchprodukte, Getreide, pflanzliche Öle und Zucker.

Diese Rohstoffe sind laut FAO ausgewählt worden, weil sie von hoher strategischer Bedeutung für die globale Ernährungssicherheit und für den globalen Handel sind.

Achter Anstieg in Folge

Im Januar lagen die Nahrungsmittelpreise 4,3 Prozent höher als im Dezember. So teuer war ein definierter Warenkorb zuletzt im Juli 2014. Der FFPI erreichte im Januar insgesamt 113,3 Punkte. Im Jahr 2020 lag der Jahresdurchschnitt bei 98,0 Punkten. Der historische Höchststand bei den Nahrungsmittelpreisen wurde 2011 erreicht, als die Punktzahl bei 131,9 Punkte lag.   

Die FAO publizierte auch die Preisveränderungen im Einzelnen. Getreide verteuerte sich im Januar um 7,1 Prozent. Mais kostete im Weltmarkt-Durchschnitt sogar 42,3 Prozent mehr als im Januar 2020. Für den hohen Maispreis ist eine hinter den Erwartungen zurückbleibende Produktion in den USA und eine substanzielle Nachfrage in China verantwortlich.

Der Preis für Zucker erhöhte sich im Januar um 8,1 Prozent, der für pflanzliche Öle um 5,8 Prozent. Leichte Verteuerungen verzeichneten auch Milchprodukte mit 1,6 Prozent und Fleisch mit 1,0 Prozent.

Es drohen Hungersnöte

Die steigenden Preise treffen auf eine pandemiebedingt global kriselnde Wirtschaft. Einkommen sinken, globale Lieferketten werden durch Lockdown-Maßnahmen bedroht, viele können ihre Arbeit nicht nachgehen. Gerade Menschen mit ohnehin niedrigem Einkommen sind von steigenden Preisen bedroht.

Bereits vor einigen Monaten hatte das Welternährungsprogramm vor einer toxischen Kombination aus Konflikt, Klimawandel und Covid-19 gewarnt, die Millionen Menschen in den Hunger treiben könne. Dominique Burgeon, FAO-Direktor für Nothilfe und Resilienz, äußerte sich "zutiefst besorgt über die zusammenwirkenden Folgen mehrerer Krisen, die die Fähigkeit der Menschen, Nahrungsmittel zu produzieren sowie ihren Zugang zu Nahrungsmitteln untergraben".

Preise dürften weiter anziehen  

FAO-Ökonom Abdolreza Abbassian hatte sich unlängst ebenfalls sorgenvoll geäußert: Die Inflation der Nahrungsmittelpreise sei eine Realität. Viele würden derzeit an Einkommen verlieren, es gäbe viele unglückliche Menschen und das sei das Rezept für soziale Unruhen.

Aus Sicht der Experten der Rabobank ist Entlastung am Markt für Nahrungsmittel nicht in Sicht. In ihrem Marktreport für den Monat Januar schreiben sie, dass die globale  Nachfrage hoch bleibe und die Wetterbedingungen derzeit nicht perfekt seien. Sie gehen deshalb von weiter steigenden Preisen aus.

Über dieses Thema berichtete das NDR Fernsehen am 05. September 2020 um 08:00 Uhr.

Darstellung: