EX-VW-Chef Martin Winterkorn | Bildquelle: dpa

Ehemaliger Konzernchef VW will offenbar an Winterkorns Vermögen

Stand: 05.05.2018 23:35 Uhr

Für den früheren VW-Chef Winterkorn wird die Lage immer bedrohlicher. Laut "Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung" will Volkswagen Winterkorn für den Milliardenschaden durch den Dieselskandal haftbar machen.

Dem früheren VW-Konzernchef Martin Winterkorn droht nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") der finanzielle Ruin. Volkswagen prüfe, den 70-Jährigen für den entstandenen Milliardenschaden des Dieselskandals haftbar zu machen. Die Zeitung beruft sich dabei auf den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch.

Nachdem die US-Justizbehörden gegen Winterkorn Haftbefehl erlassen haben, drohen dem ehemaligen Topmanager somit nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern der Verlust seines Vermögens. Im Umfeld des VW-Aufsichtsrates werde bereits spekuliert, wie viel bei ihm zu holen sei. Von bis zu einer Milliarde Euro sei die Rede.

Pensionsansprüche von 30 Millionen Euro

Laut "FAS" hat Winterkorn bei VW insgesamt mehr als 100 Millionen Euro verdient. Allein seine Pensionsansprüche summierten sich auf knapp 30 Millionen Euro. "Dieses Geld wäre im Extremfall komplett weg", sagte der Berliner Rechtsprofessor Gregor Bachmann der Zeitung.

Der VW-Aufsichtsrat bestätigte, dass Schadenersatzansprüche gegen Winterkorn geprüft werden. "Die Prüfung dauert seit längerer Zeit an und wird unabhängig von behördlichen Verfahren durchgeführt", sagte Aufsichtsratssprecher Michael Brendel der dpa. Die Prüfung sei jedoch noch nicht abgeschlossen.

In den USA wird Winterkorn Betrug vorgeworfen. Er soll außerdem Teil einer Verschwörung zum Verstoß gegen US-Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden gewesen sein. Der Ex-VW-Chef habe bereits im Mai 2014 von den Manipulationen bei Abgasmessungen gewusst, sich jedoch entschieden, den Betrug fortzusetzen.

Auch Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt

Auch in Deutschland hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Winterkorn im Visier. Die Behörde ermittelt seit Monaten wegen Anfangsverdachts des Betruges. Sie hat nach eigenen Angaben immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass der Ex-Manager früher als behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte.

Die SPD-Verkehrsexpertin Kirsten Lühmann redet im Bundestag. | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter
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Lühmann erwartet strafrechtliche Konsequenzen für Winterkorn in Deutschland.

Die SPD-Verkehrsexpertin Kirsten Lühmann geht davon aus, dass die Abgasmanipulationen für den Manager auch in Deutschland strafrechtliche Konsequenzen haben könnten, wie sie dem Deutschlandfunk sagte. Es sei richtig, dass die deutschen Ermittler lange prüften, um sicher zu sein, dass es nicht nur für eine Anklage, sondern auch für eine Verurteilung reiche. Nichts wäre peinlicher, als würde man jetzt unter dem Druck der Öffentlichkeit ein Verfahren eröffnen und dann reichten die Beweise nicht - mit der Konsequenz, dass das Verfahren eingestellt werde.

Winterkorns bürgerliche Existenz bedroht

Selbst wenn Winterkorn keine Mitwisserschaft am Betrug nachgewiesen wird, muss er um sein Vermögen fürchten. Wie die "FAS" berichtet, haften Manager nach deutschem Recht bereits, wenn sie mit den Kontrollmechanismen geschludert haben. Winterkorn müsse noch nicht mal nachgewiesen werden, bei der Kontrolle versagt zu haben. Die sogenannte "Organhaftung" drehe die Beweislast um und verlange, dass Winterkorn selbst beweisen müsse, alles getan zu haben, um die Regelverstöße zu erkennen und zu ahnden.

Winterkorn hat sich bislang noch nicht öffentlich zur Anklage oder zum Haftbefehl geäußert. Ein Anwalt des 70-Jährigen teilte mit, man prüfe die Anklage und werde sich "zu gegebener Zeit äußern".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Mai 2018 um 20:00 Uhr.

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