Zahlungsdienstleister Wirecard | Bildquelle: AFP

Nach Finanzskandal und Insolvenz Wirecard vor der Zerschlagung

Stand: 01.07.2020 11:21 Uhr

Wie geht es nach der Pleite weiter mit dem Finanzdienstleister Wirecard? Insolvenzverwalter Jaffé will den Konzern in Einzelteilen verkaufen. Ex-Wirecard-Chef Braun wurde fristlos entlassen. Außerdem gibt es weitere Razzien.

Der Absturz des in einen Bilanzskandal verwickelten Finanzdienstleisters Wirecard war spektakulär. Das allerdings bedeutet nicht, dass dessen Geschäftsmodell - das digitale Bezahlen - keine finanzielle Zukunft hätte. Und so ist die Ankündigung von Insolvenzverwalter Michael Jaffé wenig überraschend: Der Konzern soll in Einzelteilen verkauft werden: "Zahlreiche Interessenten" hätten sich "für den Erwerb von Geschäftsbereichen gemeldet", teilte Jaffé mit.

Für Kunden und Wirecard-Beschäftigte sind das gute Nachrichten: Denn der Betrieb des Finanzdienstleisters soll nach Möglichkeit nicht unterbrochen oder eingestellt werden: "Vordringlichstes Ziel im vorläufigen Insolvenzverfahren ist es, den Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften zu stabilisieren", so der Insolvenzverwalter.

Keine Alleingänge

Jaffé - ein erfahrener Insolvenzverwalter, unter anderem zuständig für die Abwicklung der Kirch-Pleite - will dabei Alleingänge von Wirecard-Töchtern verhindern. Vielmehr werde es einen "von der Muttergesellschaft konzertierten Transaktionsprozess" geben, ließ Jaffé mitteilen - vermutlich an die Adresse der US-Tochter Wirecard North America. Die hatte sich am Dienstag selbst zum Verkauf gestellt und ihre Autonomie betont.

Ex-Chef Braun gefeuert

Für Ex-Aufsichtsratschef Markus Braun hat der Bilanzfälschungsskandal nun weitere handfeste Folgen. Weil sich Anzeichen mehren, dass er auch eine persönliche Mitverantwortung für die mutmaßlichen Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro trägt, wurde der Manager nachträglich fristlos entlassen. Das teilte der Aufsichtsrat des Unternehmens mit. Braun war zwar bereits vor knapp zwei Wochen zurückgetreten, doch enthalten Arbeitsverträge von Spitzenmanagern üblicherweise auch Regelungen für Abfindungen und Altersvorsorge.

Brauns Tätigkeit beschäftigt auch die Justiz: Am Mittwoch wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft München erneut fünf Objekte von Wirecard durchsucht. Es gehe in erster Linie um die Vorwürfe, die Grundlage der Ermittlungen gegen Braun seien, also unrichtige Angaben und Marktmanipulation in mehreren Fällen.

Braun Wirecard | Bildquelle: AP
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Ex-Wirecard-Chef Braun: "Erhebliche Mitverantwortung"

BaFin-Chef vor Finanzausschuss

Unterdessen geht auch die politische Aufarbeitung des Skandals weiter. Der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Felix Hufeld, muss sich heute in Berlin den Abgeordneten im Bundestag-Finanzausschuss stellen. Kritiker werfen der BaFin Versäumnisse bei der Kontrolle des Zahlungsdienstleisters und damit eine Mitschuld an dem milliardenschweren Bilanzskandal vor. Dabei steht für Hufeld einiges auf dem Spiel: Von dem Auftritt hinter verschlossenen Türen dürfte abhängen, ob der 59-Jährige weiter oberster deutscher Finanzaufseher bleibt.
Hufeld hatte bereits zuvor von einem Desaster gesprochen und Fehler der Behörde eingeräumt: Man sei nicht effektiv genug gewesen, einen solchen Fall zu verhindern.

Felix Hufeld | Bildquelle: dpa
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BaFin-Chef Hufeld steht nach der Wirecard-Pleite unter Druck.

1,9 Milliarden Euro weg

Nach derzeitigem Stand hatten Wirecard-Manager einen beträchtlichen Teil der Umsätze und Gewinne des Unternehmens in Südostasien und im Mittleren Osten frei erfunden. Die mutmaßlichen Scheingeschäfte wurden als Umsätze und Gewinne mit Subunternehmern verbucht. Anfang vergangener Woche hatte Wirecard schließlich eingeräumt, dass insgesamt 1,9 Milliarden Euro Guthaben auf südostasiatischen Treuhandkonten mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit" nicht existieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juli 2020 um 12:00 Uhr.

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