Der Schriftzug "Wirecard" prangt am Firmensitz des Zahlungsdienstleisters in Aschheim bei München. | Bildquelle: dpa

Wirecard-Skandal Ermittlungen gegen Journalisten eingestellt

Stand: 04.09.2020 08:41 Uhr

Im Wirecard-Skandal hat Staatsanwaltschaft München die Verfahren gegen zwei Journalisten der "Financial Times" eingestellt. Die Berichterstattung der Beschuldigten sei grundsätzlich zutreffend gewesen.

Die Staatsanwaltschaft München hat das Ermittlungsverfahren gegen zwei Journalisten der "Financial Times" im Zusammenhang mit deren Berichterstattung im Wirecard-Skandal eingestellt. Die Behörde teilte mit, dass die Berichterstattung der Journalisten "vom Standpunkt der damaligen Informationslage weder falsch noch irreführend" gewesen sei.

Die britische Zeitung hatte seit 2015 regelmäßig über Unstimmigkeiten in den Bilanzen des Zahlungsdienstleisters berichtet und damit die Aufdeckung des Finanzskandals ins Rollen gebracht. Wegen der Artikel stürzte der Aktienkurs von Wirecard ab und verlor innerhalb weniger Tage fast die Hälfte seines Wertes. Auf Betreiben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen die Journalisten. Der Verdacht lautete, die Reporter könnten mit Börsenspekulanten zusammengearbeitet haben, um den Aktienkurs unter Druck zu bringen.

Ermittlungen gegen mögliche Shortseller

"Anhaltspunkte, dass die Beschuldigten selbst bewusst Inhalt und Zeitpunkt ihrer Berichte Dritten bekannt gegeben hätten und damit Insiderinformationen weitergegeben haben, ergaben sich nicht", hieß es von der Staatsanwaltschaft. Die Ergebnisse der Ermittlungen deuteten aber darauf hin, dass weitere Personen, die sich im Umfeld der Beschuldigten befunden oder vom Erscheinen der Berichte gewusst hätten, die entsprechenden Informationen weitergegeben haben könnten. Deshalb würden Ermittlungen gegen mögliche Shortseller fortgeführt. Darunter versteht man jene Börsenspekulanten, die womöglich vor dem Erscheinen der Artikel auf zu erwartende Kursverluste wetteten, um so Geld zu verdienen.

Wirecard hatte im Juni Insolvenz angemeldet, nachdem Wirtschaftsprüfer 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf Konten in Asien liegen sollten, nicht auffinden konnten. Die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Unternehmen seit 2015 Scheingewinne ausgewiesen hat und ermittelt daher wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. September 2020 um 09:06 Uhr.

Darstellung: