Containerterminals im Hafen Duisburg | Bildquelle: dpa

Neue Konjunkturprognose Kräftiges Wachstum - trotz Handelsstreits

Stand: 21.03.2018 11:40 Uhr

Deutschlands Wirtschaft boomt und setzt vor allem auf den Export. Dennoch lassen sich die Wirtschaftsweisen nicht von einem drohenden Handelskrieg einschüchtern und heben ihre Prognose sogar an.

Das Beratergremium der Bundesregierung, besser bekannt als die fünf Wirtschaftsweisen, hat die Prognosen für das Wachstum der deutschen Wirtschaft angehoben. Das Bruttoinlandsprodukt, also die Summe aller produzierten Waren und Dienstleistungen, werde in diesem Jahr auch wegen gut laufender Exporte um 2,3 Prozent wachsen, so der Sachverständigenrat.

Im Herbst waren die Ökonomen noch von einem Plus von 2,2 Prozent ausgegangen. "Nach dem kräftigen Wachstum der vergangenen Jahre befindet sich die deutsche Wirtschaft somit in einer Hochkonjunkturphase", betonten die fünf Experten. Für 2019 rechnen die Wirtschaftsweisen in einer ersten Prognose mit einem Zuwachs von 1,9 Prozent.

Drohender Handelskrieg mit den USA

"Die positiven Wachstumsaussichten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung zuletzt zugenommen haben", warnt das Gremium um seinen Vorsitzenden Christoph Schmidt. Neben dem Wahlergebnis in Italien und dem unsicheren Ausgang der Brexit-Verhandlungen trügen hierzu insbesondere die angekündigte Zollerhöhung auf Stahl und Aluminium durch die USA bei.

"Für die Fortsetzung des globalen Aufschwungs ist ein reibungslos funktionierender Welthandel von zentraler Bedeutung", so die Experten. "Eine Spirale aus protektionistischen Maßnahmen hätte deutliche negative Auswirkungen auf die globale und die deutsche Wirtschaft."

Stahlabstich bei Arecelor Mittal
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Können die US-Zölle auf Stahl und Aluminium noch abgewendet werden - oder droht ein langfristiger Handelskrieg?

Warnung vor Fachkräftemangel

Durch den jahrelangen Boom stoße die Binnenkonjunktur allmählich an ihre Grenzen. "Die Knappheit an Arbeitskräften dürfte die Wachstumsdynamik zunehmend bremsen", betonten die Wirtschaftsweisen. Die Zahl der Beschäftigten dürfte bis 2019 um rund 1,1 Millionen steigen, die der Arbeitslosen um etwa eine Viertelmillion auf 2,275 Millionen abnehmen.

Wegen steigender Steuer- und Beitragseinnahmen rechnen die Professoren mit milliardenschweren Überschüssen im Staatshaushalt. Der Schuldenberg dürfte dadurch im kommenden Jahr erstmals wieder die in den EU-Verträgen vorgesehene Höchstgrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes unterschreiten.

Seit 1963 Berater der Politik

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde 1963 per Gesetz eingerichtet, um die Politik zu beraten. Neben dem Vorsitzenden Ökonom Schmidt gehören derzeit zu dem Gremium Peter Bofinger, Lars Feld, Isabel Schnabel und Volker Wieland.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. März 2018 um 12:00 Uhr.

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