Urlaub in der Pandemie Reisen trotz Corona?

Stand: 22.02.2021 15:17 Uhr

Für die Reisebranche ist auch das Geschäft mit dem Winterurlaub weitgehend ausgefallen. Die Veranstalter steuern nur wenige Regionen an. Was wird überhaupt noch gebucht?

Von Notker Blechner, tagesschau.de

"Strand, Meer, Mojitos und Impfstoff": Mit diesem Slogan wirbt derzeit Kuba um ausländische Touristen. Früher lockte das kommunistische Karibik-Land Revolutionäre und Nostalgiker an, jetzt setzt es auf gesundheitsbewusste Touristen. Kuba entwickelt derzeit mehrere Impfstoffe, darunter den "Soberana 2", der in der aussichtsreichen Phase III liegt.

Menschen auf den Straßen von Havanna, Kuba. | Bildquelle: YANDER ZAMORA/EPA-EFE/Shuttersto
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Die Straßen von Havanna, Kuba.

Kuba gehört zu den wenigen Zielen, die Reiseveranstalter und Fluglinien gerade überhaupt noch ansteuern. Condor zum Beispiel fliegt von Frankfurt und Düsseldorf auf die Karibik-Insel. Die Touristen verbringen ihren Urlaub dann in abgeschlossenen Hotelresorts in Varadero und den Cayos.

Extreme Bestimmungen

Urlaub insgesamt ist in Verruf geraten - Bund und Länder raten weiterhin dringend von allen Reisen ab, die nicht zwingend notwendig sind. Kanzlerin Angela Merkel rief die Bürger dazu auf, besser zu Hause zu bleiben. Und doch gibt es sie auch mitten in der Pandemie: Urlaubsziele, zu denen die Reise zumindest möglich ist. Dazu gehört etwa das Luxusresort auf den Malediven, Mauritius oder die Seychellen.

Restriktionen gibt es auch dort: Für die Seychellen muss man ein negatives Testergebnis vorlegen, das nicht älter ist als 48 Stunden, sowie eine Buchungsbestätigung der Unterkünfte für die gesamte Reisezeit. Erst dann erteilt die Regierung eine Gesundheitsgenehmigung. Vor Ort gilt eine sechstägige Quarantäne-Pflicht, Geimpfte sind ausgenommen.

Ähnlich extrem sind die Bestimmungen für Sri Lanka: Ausländische Touristen müssen vor ihrem Abflug einen negativen Corona-Test vorlegen und sich am Flughafen in Colombo erneut testen lassen. Während des gesamten Urlaubs dürfen sie das Hotel nicht verlassen.

Kaum Lust auf Fernreisen

Doch die Lust auf Fernreisen hält sich bei den Deutschen angesichts der Corona-Lage ohnehin weiter sehr in Grenzen. Reisebüros berichten gegenüber tagesschau.de von überschaubaren Buchungen. Allenfalls die Karibik laufe noch ein bisschen. Viele Kunden schreckten vor Reisen in Risikogebiete zurück, weil sie bei der Rückkehr in Quarantäne müssen, erklärt Stephie Partes, Inhaberin vom "Reisemarkt 8" in Taunusstein: "Viele Arbeitnehmer können das zeitlich nicht einplanen."

Zudem kann sich die Lage schnell ändern. Wo heute noch niedrige Corona-Infektionszahlen sind, kann morgen schon ein gefährlicher Hotspot sein. Deswegen kommt das Reisegeschäft weiterhin nicht in Gang.

"Schockstarre in Reisebüros"

Laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) lagen im Januar die Buchungseingänge in den Reisebüros um mehr als 90 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. "Bei uns herrscht derzeit eine Art Schockstarre", sagt Markus Smik vom Marburger Reisebüro Weitsprung, das mehrere Filialen bundesweit hat, gegenüber tagesschau.de. "Momentan verreisen möchten sehr wenige Kunden. Die Verunsicherung ist sehr groß, daher verschieben die meisten Interessierten ihren Reisewunsch in die zweite Jahreshälfte."

Das bestätigt Anke Dannesberger, Geschäftsführerin vom Berger-Reisebüro in Frankfurt. "Die Anfragen sind derzeit sehr gering", sagt sie. Vergangene Woche habe sie gerade zwei größere Buchungen für Curacao gehabt. Wenn überhaupt, fragten Kunden derzeit nach Urlaub in Deutschland und in der Karibik. Besonders zäh und frustrierend seien die Rückabwicklungen von Reisen, die aus dem vergangenen Jahr auf jetzt umgebucht werden, klagt "Reisemarkt 8"-Inhaberin Partes.

Überwintern auf den Kanaren?

Noch zu den beliebtesten Zielen zum Jahreswechsel zählten die Kanaren, die als einzige Region in Spanien nicht als Hochrisikogebiet galten. Einige Familien und Rentner flüchteten im Weihnachtsurlaub und auch im Januar aus dem deutschen Lockdown nach Fuerteventura oder Gran Canaria, um den Winter in milden Temperaturen zu verbringen.

Inzwischen sind die Corona-Neuinfektionen aber wieder gestiegen, die Kanaren wurden zum Risikogebiet hochgestuft. Mit den weiterhin sehr geringen Zahl von Corona-Fällen wirbt indes weiterhin die Insel La Gomera. "Mehr als 60 Prozent unserer Bettenkapazität ist derzeit belegt", sagte Tourismus-Staatssekretärin Maria Mendez Almenara dem "Spiegel".

Ungewisser Osterurlaub

Die Hoffnungen der Reisebüros und -veranstalter ruhen nun auf dem Osterurlaub. Doch selbst dieser könnte ausfallen, meinte unlängst Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer - was für eine Welle der Empörung in der Reisebranche sorgte. "Wenn ein Ministerpräsident ohne jede Not bereits jetzt den Osterurlaub totredet, verunsichert das die Menschen weiter und schiebt die von der Pandemie extrem gebeutelte Reiseindustrie noch ein Stück näher an den Abgrund", kritisiert der Deutsche Reiseverband.

Reiseveranstalter wie die TUI zeigen sich weiterhin optimistisch, dass spätestens im Sommer das Geschäft wieder anziehen werde. Die TUI will dann 80 Prozent des Angebots von 2019 auf den Markt bringen. "Die Leute sitzen auf gepackten Koffern", so TUI-Chef Fritz Joussen. Der Konzern rechnet vor allem mit einem "Nachholeffekt für das Mittelmeer". Neben Mallorca und der türkischen Riviera würden derzeit für den Sommerurlaub besonders die griechischen Inseln Kreta, Rhodos und Kos gebucht.

Reisebüro-Inhaber sind da wesentlich skeptischer. Sie rechnen eher mit einem Ansturm auf deutsche Urlaubsgebiete - wie im letzten Sommer. Damals drängelten sich die Bundesbürger an überfüllten Stränden an der Ost- und Nordsee oder auf Wanderwegen in Bayern. Tatsächlich sichern sich viele Urlauber gerade ihre Wunschhotels an der Ostsee und auf Sylt, heißt es vom Reiseveranstalter FTI. Auch Ferienwohnungen und -häuser seien begehrt.

Erste Reisebüro-Pleiten

Die Lage unter den rund 11.000 deutschen Reisebüros bleibt indes angespannt. Zwar stützte der Bund die Reisebüros mit Überbrückungshilfen von 50.000 Euro pro Monat. Dennoch ist es bereits zu den erste Pleiten gekommen. So musste die Reisebürokette Bühler, die 37 Filialen mit 230 Mitarbeitern hat, Insolvenz anmelden.

Doch auch kleine Reisebüros beklagen, dass sie nur schwer an die Hilfen kommen. Die Beantragung sei ein Staatsakt, kritisiert etwa "Reisemarkt 8"-Inhaberin Partes. Zudem seien Buchhalter und Steuerberater vollkommen überlastet. "Das zehrt an den Nerven und an den finanziellen Reserven."

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 05. Februar 2021 um 06:00 Uhr im Morgenecho.

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